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Werkstattbericht · · 2 Min. Lesezeit

Eine Betriebsplattform für einen Großhandel

Wie ein mittelständischer Großhandel seine Arbeit aus Mails, Tabellen und Einzelskripten in eine Plattform holt, gebaut von einer Ein-Personen-IT zusammen mit KI. Ein Bericht über Arbeitsweise, Prüfungen und KI mit Augenmaß.

600+
Versionen mit Bericht in einem halben Jahr
70
Module in zwölf Bereichen
5.400+
automatische Tests
5
Sprachen in Shop und Mails

Ausgangslage

In vielen kleinen und mittleren Betrieben steckt die eigentliche Arbeit zwischen den Programmen: in Mails, Tabellen, Zetteln und Skripten, die irgendwann jemand geschrieben hat. So war es auch hier. Niemand sah auf einen Blick, was liegen bleibt, was läuft und was Geld kostet. Jede neue Automatisierung war ein weiteres Skript ohne Oberfläche, ohne Rechte und ohne Protokoll.

Was entstanden ist

Seit Anfang 2026 baue ich als Ein-Personen-IT eine Plattform, die zwischen Warenwirtschaft, Webshop und den Menschen im Betrieb sitzt. Sie bündelt den Alltag in einer Oberfläche, am Schreibtisch wie am Handy:

  • Verkauf: Aufträge, ein Ausstellungsraum mit Katalog auf dem Firmenhandy und eine Messung, welche Ware zu lange liegt.
  • Kundenbindung: grafisch gebaute Customer Journeys, ein Radar für überfällige Nachbestellungen, Newsletter in fünf Sprachen.
  • Kundenbetreuung: Anfragen direkt aus dem Postfach mit Antwortvorschlägen und eine tägliche Anrufliste, die verpasste Anrufe, Wiedervorlagen und liegengebliebene Warenkörbe zusammenführt.
  • Artikel und Lager: Wareneingang am Handy mit Vorschlägen für Kategorien und Merkmale, Bildaufbereitung, geführtes Picken nach Laufweg, Versand mit Sendungsverfolgung.
  • Betrieb und IT: Inventar der Firmenhardware, ein Warnsystem, das Sicherheitsmeldungen auf das filtert, was den Betrieb betrifft, verschlüsselte Sicherungen und eine Kostenstelle für jede KI-Nutzung.

Wie ich arbeite

Ich entwickle die Plattform zusammen mit Claude Code, in kurzen, geprüften Schritten. Ein paar Regeln haben sich bewährt:

  • Jeder Schritt endet vollständig: neue Version, ein Bericht darüber, was geprüft ist und was nicht, die passende Handbuchseite und ein Commit. Die Berichte sind die Projektgeschichte, kein Nebenprodukt.
  • Gegenprobe: Nach den Tests baue ich absichtlich Fehler ein. Eine Prüfung zählt erst, wenn feststeht, dass sie den Fehler gefunden hätte.
  • Schattenbetrieb vor dem Umschalten: Neue Wege laufen parallel zum alten, bis die Liste der Abweichungen leer ist. Ein Kundenexport kam so byte-gleich heraus, in 5 Sekunden statt in über zwei Minuten.
  • Das Team als Auftraggeber: Wer im Betrieb etwas vermisst, meldet es direkt aus der Oberfläche, in der „Werkstatt“. Später misst die Plattform, ob die Umsetzung gehalten hat.
  • Ein Handbuch, das ein Test erzwingt: Fehlt einem Modul die Handbuchseite, schlägt ein Test fehl.

KI mit Augenmaß

Große Sprachmodelle miete ich für Texte, Analysen und Agenten, kleine laufen lokal, etwa zum Freistellen von Produktfotos. Jeder Aufruf wird mit Modell und Kosten verbucht und hat einen Monatsdeckel.

Statt Modelle zu trainieren, schreibt die Plattform mit, was sie vorgeschlagen und was ein Mensch daraus gemacht hat. Daraus entstehen Trefferquoten je Vorgang: Was sich als sicher erweist, darf automatisch laufen, alles andere bleibt beim Menschen, und eine Stichprobe wird immer geprüft.

Was ich daraus mitnehme

Der Engpass ist selten die Technik. Neue Funktionen bringen erst etwas, wenn das Team sie öffnet. Deshalb haben Dinge Vorrang, die von selbst wirken: Mitteilungen aufs Handy, Automatiken, Erinnerungen. Und eine Warenwirtschaft ersetzt man nicht an einem Stichtag, sondern Feld für Feld, mit Gegenrechnung.

Über einzelne Erkenntnisse schreibe ich nach und nach ausführlicher.

Gedanken dazu, eigene Erfahrungen oder eine Frage? Ich freue mich über eine Nachricht.

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